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Neues DFG-Forschungsprojekt an der HCU: Fluch oder Segen? Mikrokredite im informellen Selbstbau in Mexiko

Die zunehmende Vermarktung und Institutionalisierung von Mikrokrediten führt derzeit dazu, dass immer mehr Haushalte in Entwicklungs- und Schwellenländern Kredite aufnehmen, um ihre Selbstbauhäuser zu renovieren und umzubauen. In einem neuen, durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt unter der Leitung von waterfront-Mitglied Prof. Dr. Monika Grubbauer werden an der HafenCity Universität Hamburg (HCU) am Beispiel Mexiko die Effekte erforscht, die die zunehmende Aufnahme der Mikrokredite auf die Praktiken des Selbstbaus in Haushalten mit geringem Einkommen hat.

Egal ob in Afrika, Asien oder Lateinamerika – Urbanisierungsprozesse im globalen Süden vollziehen sich in hohem Maße in Form informeller Stadtentwicklung, mit hohen Anteilen von im Selbstbau errichteten Unterkünften und Häusern. Mikrokredite sollen Haushalte mit geringen Einkommen bei ihren Bauprozessen unterstützen und ihnen so auch helfen, sich eine Existenz aufzubauen. Mikrokredite als Instrumente zur Armutsbekämpfung gelten jedoch als umstritten, da sie die Armut ausnutzen oder sogar verfestigen können. Welche positiven oder negativen Konsequenzen Mikrokredite für den informellen Selbstbau haben, ist derzeit eine wichtige Forschungsfrage.

Das durch die DFG für drei Jahre geförderte Forschungsprojekt an der HCU Hamburg widmet sich dem Thema der Mikrokredite aus zwei sich ergänzenden Perspektiven: Anhand von Dokumentenanalysen und Experteninterviews werden die Rolle von Mikrokrediten innerhalb der nationalen, regionalen und lokalen Wohnungspolitiken, die Akteure auf diesem Markt und die anvisierten Zielgruppen untersucht. Zum anderen wird erfasst, welche Konsequenzen die Ausweitung von Mikrokrediten auf Praktiken des Selbstbaus in Haushalten mit geringen Einkommen in Mexiko hat. Hierzu werden Bauprojekte und -aktivitäten von ausgewählten Haushalten in der Metropolregion Mexico City und der Küstenregion des Staates Quintana Roo im Rahmen von qualitativen Fallstudien und Tiefeninterviews evaluiert.

Prof. Dr. Monika Grubbauer: „Das Projekt verspricht in zweifacher Weise neue Erkenntnisse: Es trägt dazu bei, das Konzept der Finanzialisierung zu schärfen, also den wachsenden Einfluss der Finanzmärkte auf die Realökonomie. Dies geschieht wiederum in einem geografischen, ökonomischen und kulturellen Kontext, der aus den euro- und USA-zentrierten Perspektiven in der Stadt- und Planungstheorie bislang vernachlässigt wurde.“

Stadt Hamburg und HafenCity Universität Hamburg starten Forschungs- und Entwicklungsprojekt zur digitalen Bürgerbeteiligung

Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung und die HafenCity Universität Hamburg (HCU) haben sich in einem gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zusammengetan: Das Online-Beteiligungstool der Stadt soll mit dem vom CityScienceLab entwickelten Stadtmodell CityScope zusammengeführt und zu einem integrierten, online und vor Ort einsetzbaren digitalem Partizipationssystem (DIPAS) ausgebaut werden.

Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt: „Hamburg ist eine dynamische Stadt, in der laufend gebaut und geplant wird. Dabei binden wir die Menschen vor Ort ein und gehen bei der Bürgerbeteiligung neue Wege, sei es bei der Öffnung von städtebaulichen Wettbewerben wie aktuell in Oberbillwerder oder bei der Online-Beteiligung. Ich freue mich, dass wir mit dem Projekt DIPAS nun weitere Kräfte bündeln können und gemeinsam mit dem Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung sowie der HafenCity Universität einen großen Schritt hin zu einer verbesserten Planungs- und Beteiligungskultur machen. Mit diesem Projekt investiert Hamburg in eine zeitgemäße und moderne Bürgerbeteiligung. “

Prof. Dr. Gesa Ziemer, waterfront-Mitglied und Leiterin CityScienceLab: „Am CityScienceLab der HCU entwickeln wir datenbasierte, interaktive Modelle, die Bürgerinnen und Bürger dabei unterstützen, sich aktiv an der Gestaltung ihrer Stadt zu beteiligen. Nach FindingPlaces freuen wir uns besonders, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der BSW und dem LGV fortzuführen. Das Projekt DIPAS ist eine einzigartige Gelegenheit, Expertise und die Erfahrung zusammenzuführen und in Hinblick auf stärkere Einbeziehung digitaler Technologien weiterzuentwickeln.“

Arne Dornquast, Bezirksamtsleiter Bergedorf: „Die Bürgerbeteiligung in allen kleinen und großen Planungsprozessen ist, insbesondere in der Bezirksverwaltung, von größter Bedeutung. Durch das DIPAS-Projekt wird die Möglichkeit einer direkten und zeitgemäßen Partizipation aller interessierten Akteurinnen und Akteure unkompliziert und direkt ermöglicht. Ich freue mich besonders darüber, dass wir derzeit mit der Fachbehörde über weitere Einsatzmöglichkeiten sprechen.“

Rolf-Werner Welzel, Geschäftsführer Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung:
„Damit die Bürgerinnen und Bürger leichter ihre Hinweise, Vorschläge, Fragen und Kritik zu den städtebaulichen Planungen der Stadt Hamburg abgeben können, entwickeln die BSW und der LGV schon seit langem digitale Online-Anwendungen, deren Grundlage die Hamburger Geodaten sind. Wir freuen uns, dass die bestehenden Online-Beteiligungsplattformen im Rahmen des Projekts DIPAS zusammengeführt sowie weiterentwickelt werden können. Dabei stellen wir gerne sicher, dass alle notwendigen Geo-Daten technologisch verfügbar sind und so eine schnelle, transparente und umfassende Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger bei städtischen Planungen möglich wird. Zusammengefasst bedeutet dieses, DIPAS wird die Grundlage für die digitale Vernetzung verschiedenster Online-Anwendungen im urbanen Raum sein, und alle Projektbeteiligten setzen dadurch auch einen Teil des Hamburger Urban Data Konzepts um.“

Seit 2016 ist das Online-Beteiligungstool der Stadt im Einsatz und wurde bereits in elf Verfahren erfolgreich angewendet, um Hamburgerinnen und Hamburgern die Teilhabe an Planungsprozessen zu erleichtern. Parallel hat das CityScienceLab im vergangenen Jahr mit dem Projekt „Finding Places“ zur Identifizierung möglicher Flächen für Flüchtlingsunterkünfte im Auftrag der FHH erstmals sein interaktives Stadtmodell auf der Ebene der Gesamtstadt angewandt. Mit dem Zusammenführen der beiden Instrumente im Projekt DIPAS soll ein integriertes Partizipationswerkzeug entstehen, das im Rahmen von informellen Beteiligungsverfahren sowohl vom individuellen Nutzer (über Desktop-PC, Tablet oder Smartphone) als auch mit Hilfe digitaler Datentische (sogenannter Multi-Touch-Tables), in Workshops von Gruppen gemeinsam verwendet werden kann.

Zunächst wird das Beteiligungstool für den Einsatz auf Multi-Touch-Tables angepasst. Anschließend werden schrittweise u.a. ein 3D-Modell der Stadt, digitale Planwerke, 3D-Visualisierungen von städtebaulichen Entwürfen eingebunden und schließlich Simulationen (z.B. von Verkehr, Schall oder Schattenwurf) ermöglicht werden. Ziel ist es, den großen Schatz von Geodaten für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und so nutzerfreundlich aufzubereiten, dass eine Diskussion auf Augenhöhe mit den Fachleuten möglich wird. Bürgerinnen und Bürger sollen durch erweiterte Nutzungsmöglichkeiten und Informationstiefe dabei unterstützt werden, sich noch besser als bisher mit ihren Ideen, Fragen, Ortskenntnissen und Kritik in Planungsvorhaben einzubringen. Den Planungsverantwortlichen wird zudem die Auswertung und weitere Verarbeitung des Bürgerfeedbacks erleichtert, da dieses künftig nicht nur im Rahmen von Online-Beteiligung, sondern auch aus Veranstaltungen vor Ort automatisch digital erfasst wird. Es ist geplant, das System in einer ersten Pilotierungsrunde im Frühsommer 2018 bei der Erstellung eines Bezirksentwicklungsplans in Bergedorf einzusetzen.

Das Projekt DIPAS ist auf drei Jahre angesetzt, die Projektleitung übernimmt die Stadtwerkstatt in der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen. Bereits 2018 soll ein erster Prototyp im Rahmen eines Pilotierungsvorhabens erprobt werden. DIPAS ist ein Projekt im Rahmen der Senatsstrategie Digitale Stadt und des Vorhabens „Digital First – Chancen der Digitalisierung für eine bürgerfreundliche und moderne Verwaltung nutzen“.

Mehr Informationen unter www.hamburg.de/dipas.

Neue Methoden der Entscheidungsunterstützung in der Siedlungsplanung – das Beispiel Projekt-Check

Mit dem neuen Planungs-Werkzeug Projekt-Check können Kommunen, Planungsbüros, Bürgerinnen und Bürger sowie Politik künftig Flächenplanungen frühzeitig vorprüfen: Wohnungsbauprojekte, Lebensmittel-Einzelhandel und Gewerbeansiedlungen. Das innovative Instrument, das die HafenCity Universität Hamburg (HCU) unter der Leitung von waterfront-Mitglied Prof. Dr.-Ing. Thomas Krüger im Forschungsverbund mitentwickelte, wurde am 9. November auf der Fachveranstaltung „Neue Methoden der Entscheidungsunterstützung in der Siedlungsplanung“ in Dortmund der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Wenn Kommunen im ländlichen oder vorstädtischen Raum neue Wohn- oder Gewerbeflächen ausweisen, wirkt sich dies wirtschaftlich, ökologisch und sozial auf die Umgebung oder sogar auf die benachbarten Gemeinden aus.

Anwender können zwischen zwei Varianten von Projekt-Check wählen: Web-Check ist eine schnelles, auch von Laien einfach nutzbares online-Werkzeug, das direkt auf der Website www.projekt-check.de angewendet werden kann. Profi-Check ist ein ArcGIS Add-In, das vertiefende Untersuchungen für Fachleute ermöglicht. Zudem bietet die Website einen Info-Pool zu den Wirkungsbereichen, die von Projekt-Check untersucht werden sowie zu weiteren wichtigen Aspekten nachhaltiger Siedlungsplanung.

Projekt-Check wurde im Rahmen des Programms „Nachhaltiges Landmanagement“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelt. Erarbeitet wurden die Werkzeuge von dem Forschungsverbund bestehend aus der HafenCity Universität Hamburg (HCU), dem ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (Dortmund) und dem Büro GGR Gertz Gutsche Rümenapp (Hamburg). Ziel des Projektes war die Abschätzung von u.a. wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen von Planungsvorhaben. Fehlplanungen sollen dadurch möglichst vermieden werden, dem Flächenverbrauch soll entgegen gewirkt werden und die Standort-Debatten sollen versachlicht werden.

Im Film erhalten Sie weitere Informationen zu Projekt-Check

Bootshaus+: Architektur-Studierende der HCU Hamburg in einem Boot mit dem Rendsburger Ruderverein

Mit Unterstützung von Architektur-Studierenden der HafenCity Universität Hamburg (HCU) wird der Rendsburger Ruderverein ein neues Bootshaus erhalten. Anstelle des baufälligen Vereinsgebäudes aus dem Jahre 1921 soll ein neues Sport- und Tourismuszentrum entstehen. Zwei Entwürfe der HCU-Studierenden wurden nun von der Jury ausgewählt.

Die Vorgaben für das neue Bootshaus des Rendsburger Rudervereins: In Modulbauweise sollen ca. 1.200 Quadratmeter Nutzfläche entstehen, die Platz für ein Vereinsheim, einen Gastronomie-Bereich und 14 Doppelzimmer für Gäste bieten. Eine Jury, in der neben HCU-Lehrenden Prof. Klaus Sill (waterfront-Mitglied) und Dipl.-Ing. Gerd Streng vom Arbeitsgebiet „Konzeptionelles Entwerfen und Gebäudelehre“ auch Ruder-Olympiasieger Lauritz Schoof saß, bewertete insgesamt zehn Beiträge von HCU-Studierenden. Gleich zwei Gewinner-Entwürfe wurden in der Jury-Sitzung am 7. November ausgewählt. Ob am Ende der Entwurf von Kim Ina Borchert und Anne Ruff oder Jonas Janke und Thorsten Hansen umgesetzt wird, ist derzeit noch offen.

Innovative Strategien für mehr Energieeffizienz in Städten: Internationales Projekt AREA 21 startet an der HafenCity Universität Hamburg

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der ambitionierten internationalen und nationalen Klimaschutzziele ist die Energiewende eine der größten Herausforderungen für die Städte und Regionen im Ostseeraum. Beim Projekt „AREA 21 – Baltic Smart City Areas for the 21st Century“ entwickeln Partner aus sechs Ländern unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Jörg Knieling (waterfront-Mitglied) Strategien und Maßnahmen, um Energiesparpotenziale in Bestandsquartieren besser zu nutzen und so zu einem klimaneutralen Gebäudebestand und emissionsarmen Städten beizutragen.

Im Mittelpunkt von AREA 21 steht die Energieeffizienz von Bestandsquartieren. Der Fokus liegt dabei auf Mitwirkung und Kooperation der verschiedenen Beteiligten in den Planungs- und Umsetzungsprozessen. Die Partnerregionen und -städte entwickeln Strategien und Maßnahmen zur Umsetzung der kooperativen Energieplanung. Dabei werden bestehende Kooperationsmodelle und Governanceansätze zwischen öffentlicher Verwaltung und Energieversorgern analysiert und innovative Instrumente und Formate für die Mitwirkung von Gebäudeeigentümern und Bevölkerung in der Energieplanung und Umsetzung erprobt. Zu innovativen Kooperations- und Kommunikationsformen tragen unter anderem neue Informations- und Kommunikationstechnologien bei. Der Einsatz dieser „Smart Technologies“ bietet die Chance, eine aktivere und effizientere Beteiligung und Mitwirkung von Stakeholdern und Bevölkerung zu erreichen.

Projektpartner von AREA 21 sind Städte, Regionen, Forschungseinrichtungen und Energieunternehmen aus sechs Ostseestaaten: Die Fachhochschule Tampere (Finnland), die St. Petersburger Staatsuniversität „Peter the Great“ (Russland), die Stadt Kohtla-Järve (Estland), die Regionale Energieagentur Tartu (Estland), die Stadt Tampere (Finnland), die Region Skåne (Schweden), der Energieversorger Öresundkraft AB (Schweden), die Freie und Hansestadt Hamburg mit dem Bezirk Wandsbek (Deutschland) und die Stadt Lublin (Polen). Alle Partner bringen Erfahrungen aus den Bereichen Energieplanung, Bürgerbeteiligung und Strategieentwicklung in das Projekt ein.

AREA 21 startet mit einer Auftaktveranstaltung am 15. und 16. November an der HCU Hamburg. Die Vertreterinnen und Vertreter aus der Partnerinstitutionen und von assoziierten Organisationen werden sich über den Stand der Energiewende in den einzelnen Ländern und die damit verbundenen Herausforderungen für Strategien zur Energieeffizienz austauschen.

AREA 21 wird im Rahmen von INTERREG Baltic Sea Region gefördert, dem Programm der Europäischen Union zur Stärkung der europäischen territorialen Zusammenarbeit im Ostseeraum. Das Projekt AREA 21 läuft über drei Jahre bis 2020. Insgesamt beträgt das Budget 2,5 Millionen Euro. AREA 21 erhält Kofinanzierungen durch das finnische Umweltministerium und durch das Programm Territoriale Zusammenarbeit des deutschen Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.