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Die HafenCity Universität Hamburg gewinnt mit dem Projekt „Universität der Nachbarschaften“ einen Preis der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“

Die Universität der Nachbarschaften (UdN) war ein von 2008 bis 2013 laufendes Kooperationsprojekt der HafenCity Universität Hamburg (HCU), der Internationalen Bauausstellung Hamburg (IBA) und von Kampnagel Internationale Kulturfabrik. Mit der UdN entstand ein integrierender Arbeits- und Veranstaltungsort, der sowohl Raum des Lernens und Forschens, als auch ein Ort der Begegnung unterschiedlicher Kulturen und Erfahrungen geworden ist.

 

Tina Steiger und Paul Raupbach (HCU Studierende) mit Dr.-Ing. Walter Pelka, Präsident der HCU, bei der Preisverleihung (Foto: Jost Backhaus)

Tina Steiger und Paul Raupbach (HCU Studierende) mit Dr.-Ing. Walter Pelka, Präsident der HCU, bei der Preisverleihung (Foto: Jost Backhaus)

Für dieses Projekt wurde unter den Aspekten der Nachhaltigkeit und des Kostenmanagements die leerstehende Bauruine des ehemaligen Gesundheitsamtes im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel genutzt. „Wie kann das zum Abriss vorgesehene Gebäude zwischengenutzt werden?“, lautete die Aufgabe für die Studierenden der HCU. Zunächst wurde das Gebäude entkernt: verbliebenes Interieur wurde beseitigt, Wände wurden gestrichen, Böden neu verlegt. Im Eingangsfoyer wurde ein lichtdurchlässiges Dach eingebaut, darunter entstand ein Restaurant mit einer zentral begehbaren Kochzeile.

Das Projekt war beim Masterstudiengang Urban Design an der HCU angesiedelt. Die Studierenden haben mit Kindern aus der Umgebung Baumhäuser gebaut, ein Café betrieben und Urban Gardening nach Wilhelmsburg gebracht. Die UdN wurde für den Lehrbetrieb genutzt, Nachbarn und Experten sind zu Veranstaltungen und Diskussionen gekommen und einige Studierende haben sogar dort gewohnt. 

Projekt im Projekt – das Hotel Wilhelmsburg

Innerhalb der UdN entstand das Projekt „Hotel Wilhelmsburg – Lehrstück Stadtentwicklung“. Grundlage für das temporäre Hotel Wilhelmsburg war ein Baugerüst, das zuvor die Werbebanner für die IBA an der Wilhelmsburger Reichsstraße getragen hatte. Dieses Gerüst ist in mehreren Phasen zu einem Hotel ausgebaut worden, das von den Studierenden selbst geplant und entworfen wurde. So gab es beispielsweise Schlaftonnen, die durch ihre optimale Raumnutzung auf einem minimalen Raum an die Alkoven-Schlafplätze in japanischen Hotels erinnerten. Diese Form der minimalistischen Schlafplätze gaben Grobspanplatten vor, die mit gespendeten alten Feuerwehrschläuchen ummantelt wurden. Die Bullaugenfenster waren aus gebrauchten Fahrradfelgen mit eingeklebten Plexiglasscheiben gefertigt.

 

(Foto: Jost Backhaus)

(Foto: Jost Backhaus)

Für Böden und Planken auf den Stegen wurden die Hölzer eines alten Turnhallenbodens aus der Nachbarschaft verbaut. Viele weitere Fenster sind Gebäuden entnommen, die im Rahmen der IBA saniert wurden. So sind 18 Schlafstätten ganz unterschiedlicher Gestalt entstanden, die alle unter Verwendung von recycelten Materialien aus der Umgebung gebaut wurden.

Preisverleihung als „Ausgezeichneter Ort“ im Land der Ideen

Am 15. Januar 2014 verlieh die Initiative “Deutschland – Land der Ideen” der HafenCity Universität Hamburg für ihr Projekt „Universität der Nachbarschaften / Hotel Wilhelmsburg“ einen Preis als „Ausgezeichneter Ort 2013/14″. Karl-Heinz Saak von der Deutschen Bank, dem Förderer von „Deutschland – Land der Ideen“, erläuterte in seiner Laudatio, warum die Jury das Projekt aus gut eintausend Bewerbungen ausgewählt hat: „Mit frischen Ideen, einer Portion Tatkraft und Biss haben Sie alle das ehemalige Gesundheitsamt in einen Ort der Kreativität, Kultur und Kommunikation verwandelt. Das Hotel Wilhelmsburg ist ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt seine Träume und Ideen umzusetzen.“

Ein Meilenstein in der sich herausbildenden HCU-Kultur

 

Empfangsbereich im Hotel Wilhelmsburg (Foto: Jost Backhaus)

Empfangsbereich im Hotel Wilhelmsburg (Foto: Jost Backhaus)

Die Besonderheit der UdN war es, dass Studierende im Rahmen ihrer Ausbildung die Chance bekommen haben, ihre theoretischen Überlegungen unter Beteiligung der Nachbarn  in eine konkrete Praxis im Stadtteil zu überführen. Lernen und Austauschprozesse standen dabei im Vordergrund. Der Präsident der HCU, Dr.-Ing. Walter Pelka, sagte in seinem Grußwort: „Dieses innovative Projekt war eine Universität ganz anderer Art: neue Sichtweisen von Lehre und Forschung, von Stadtplanung, Architektur und Bau wurden entwickelt und praktiziert. Die Universität der Nachbarschaften war ein Meilenstein in der sich herausbildenden HCU-Kultur und hat inzwischen im In- und Ausland viel Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden.“

Doch so erfolgreich und produktiv es auch war, die Tage des Projekts sind gezählt: im März wird das Gelände an die Finanzbehörde zurückgegeben. Dann wird das Gebäude mit dem Hotel abgerissen, um Platz für den Wohnungsbau zu schaffen. Und die Studierenden ziehen in den Neubau der HafenCity Universität am Magdeburger Hafen um.